Montagnachmittag, 9. Stunde. Im Filmsaal der Integrierten Gesamtschule Paffrath ist alles für einen medizinischen Vortrag über Gesundheitsgefährdungen durch Rauchen vorbereitet. Die Teilnahme ist für Schülerinnen und Schüler freiwillig. Würden viele Jugendliche kommen? Vortragsbeginn: Die mehr als 250 Sitzplätze reichten nicht, der Saal war voll!

So groß war das Interesse an der angebotenen Thematik, dass selbst Stehplätze zusätzlich genutzt wurden. Dr. med. Abdel Hakim Bayarassou, Chefpneumologe (Pneumologie = Lungenheilkunde) des Evangelischen dr_bayarassouKrankenhauses in der Ferrenbergstraße, Bergisch Gladbach, und  Frau Monika Scheid, die langjährige Erfahrungen in der Raucherentwöhnung hat, hatten offenbar das Interesse der Jugendlichen geweckt. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler besuchen überwiegend die  9. und 10. Klasse der IGP, jedoch auch einige Zuhörer_innen der Jahrgangsstufe 13, eigentlich mitten in der häuslichen Phase der Abiturvorbereitung, fanden an diesem Tag den Weg zurück in die Schule. Ebenso hörten sich interessierte Eltern den medizinischen Vortrag an.

Jede Lehrkraft weiß, wie schwierig es ist, die Aufmerksamkeit von Jugendlichen über einen längeren Zeitraum zu fesseln, gerade im Nachmittagsbereich. Herrn Dr. Bayarassou gelang dies problemlos durch seine gelungene Mischung direkter Ansprachen, der ein oder anderen persönlichen Information und spannenden Fakten, wobei er das „Medizinerlatein“ bewusst auf das notwendige Minimum beschränkte.

So erfuhren die Zuhörer_innen beispielsweise, dass Lungenerkrankungen, die oft auf Rauchen zurückzuführen sind, auf Platz drei der Todesursachen in Deutschland stehen, direkt nach Herzerkrankungen und Schlaganfall. Sehr beeindruckend waren die schnellen körperlich sichtbaren negativen Veränderungen, die durch Cannabis-Gebrauch hervorgerufen werden können. Auf den damit einhergehenden (und testbaren!) geistigen Verfall wies Dr. Bayarassou sehr deutlich hin.

Die Liquids, die in E-Zigaretten und E-Shishas eingefüllt werden, sind keinesfalls harmlos, so der Mediziner. Der sichtbare Dampf, dem „echten Rauchen“ nachempfunden, werde durch Propylenglycol erzeugt, den Jugendlichen besser als „Disconebel“ bekannt. Wird diese Substanz eingeatmet, entsteht ein stechendes Gefühl, das zeige, dass die Substanz nicht ganz so harmlos ist, wie viele Menschen denken. Auch wenn ein Liquid kein Nikotin enthält, so lassen sich oftmals darin Formaldehyd, Schwermetalle und Acrolein nachweisen, ein gefährlicher Giftcocktail. Teils sind die genannten Stoffe für ihre stark krebserzeugende Wirkung berüchtigt. Ferner gehen von
E-Zigaretten noch ganz andere Gefahren aus! So gibt es mittlerweile Berichte, dass diese elektronischen Geräte bei der Benutzung am Gesicht von Menschen explodiert seien, was gefährliche Verbrennungen verursachen könne.

Sowohl Frau Scheid als auch Herrn Dr. Bayarassou war es ein besonderes Anliegen, auf die sehr hohe Konzentration von Schadstoffen hinzuweisen, die beim klassischen Shisha-Rauchen aufgenommen würde, sprießen Shisha-Läden und -Bars doch zur Zeit wie Pilze aus dem Boden. Es sei ein gefährlicher aber verbreiteter Irrglaube, dass beim Durchziehen des Rauches durch das Wasser die schädlichen Substanzen einfach ausgewaschen würden.

Vielleicht erreichte der Vortrag die Jugendlichen auch deshalb so gut, weil es dem Referenten anzumerken war, dass ihm die Gesundheit von Menschen und besonders die Prävention bei Jugendlichen, wirklich am Herzen liegen. So antwortete er teils humorvoll, teils ernst, aber immer voller Überzeugung auf die ihm gestellten Fragen. Es entwickelte sich nach der offiziellen Vortragszeit noch eine kleine Gesprächsrunde, in der einige interessierte Schülerinnen und Schüler sowie
Angelika Wollny, die neue Schulleiterin der IGP, angeregt mit Herrn Dr. Bayarassou diskutierten. Hier bot sich die Gelegenheit, einige Fragen in kleiner Runde zu stellen, die vorher im großen Plenum aus Zeitgründen nicht mehr angesprochen werden konnten.

Auch Lehrer Frank Bonsack, der seitens der IGP die organisatorische Seite übernommen hatte, war begeistert und bedankte sich am Ende der Veranstaltung im Namen der Schüler-und Elternschaft, des Schulkollegiums und vor allem der Fachgruppe Naturwissenschaften. Experten in die Schule einzuladen und mit Jugendlichen direkt ins Gespräch zu bringen, darin liegt eine große Chance. Ein Arzt kann auf andere Erfahrungen zurückgreifen als eine Lehrkraft, wenn es um Krankheiten, Therapien oder die neuesten fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen geht. Er kann eindringlich aus seiner beruflichen Praxis berichten und die zwar anonym geschilderten aber real miterlebten Patientenschicksale verdeutlichen die Zusammenhänge und bewirken persönliche Betroffenheit. Dies prägt sich den Jugendlichen in anderer Weise ein, als ein Text aus einem noch so modernen Lehrbuch oder eine sachorientierte Filmsequenz! Informationen aus einen solchem Vortrag können wiederum im Unterricht aufgegriffen werden, eine perfekte Ergänzung zur alltäglichen Lehrtätigkeit. So war dies auch sicherlich nicht der letzte Expertenvortrag an der IGP.

Bo